Schrottmarktbericht Juni 2019

Stahlschrottpreise weiter im Abwärtstrend

Der Preisdruck am Stahlschrottmarkt setzt sich fort. Es lässt sich nicht mehr leugnen – die Stahlschrottpreise im ersten Halbjahr zeigen eine eindeutige Richtung nach unten. Produktionseinschränkungen in mehreren Stahlwerken in Deutschland und im benachbarten Ausland führen zu einer gedrosselten Stahlschrottnachfrage, was sich unmittelbar auf die Preise im Monat Juni auswirkt. Die Flachstahlproduktion läuft schwach, da der Stahlbedarf in der Automobilindustrie und im Maschinenbau  deutlich nachgelassen hat. Allein das Baugewerbe läuft noch auf Hochtouren. Dementsprechend fallen auch die Preisabschläge aus. Für Neuschrott wurden die Preise um 10,00 EUR pro Tonne zurückgenommen, während für Altschrott und Stahlspäne die Preise von unverändert bis minus 5,00 Euro pro Tonne ausfielen. Der Tiefseemarkt läuft weiterhin gut, auch wenn die Türkei in diesem Monat nicht die großen Mengen in Europa gekauft hat. Bedingt durch eine hohe Nachfrage aus Ägypten, Indien, Pakistan und Bangladesch wurden viele Abschlüsse in diese Länder getätigt.

Aussichten

Die europäische Stahlindustrie macht sich zunehmend Sorgen über die weitere Entwicklung des Stahlmarktes und fordert die EU Kommission auf, die im vergangenen Jahr auf den Weg gebrachten Schutzklauseln auszubauen, da diese bislang nicht vor massiven Handelsumlenkungen als Folge der US-Stahlzölle schützen. Zusätzlich habe sich die konjunkturelle Lage der Stahlindustrie eingetrübt, erklärt Hans Jürgen Kerkoff Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl. (www.stahl-online.de) Ein zusätzliches Problem stellen die hohen Produktionskosten und die hohen Rohstoffpreise dar. Hinzu kommen hohe Energiekosten und CO2-Abgaben, letztere haben ausschließlich innereuropäische Produzenten zu tragen. Die strengen europäischen Klimaziele machen es für die hiesigen Werke immer schwieriger mit den ausländischen Lieferanten zu konkurrieren, da diese keine dieser zusätzlichen Kosten tragen müssen.

Wir rechnen mit einer weiteren Preisreduzierung der Stahlschrottpreise, die durchaus bei 20,00 Euro pro Tonne ausfallen könnte. Sollten der Absatz in die Schweiz weiterhin eingeschränkt bleiben und die italienischen Abnehmer ihren Einsatz für neue Produktionsschrotte drosseln, wird sich das extrem auf die Preispolitik auswirken.

Legierter_Schrott

Legierter Schrott

Entgegen aller Prognosen, dass Nickel auf Grund des höheren Bedarfs im Bereich der Elektromobilität noch dieses Jahr zum Höhenflug ansetzen wird, sieht die Realität derzeit ganz anders aus. Auch wenn sich die Nickelkurse aktuell bei 12.000 USD bewegen so zeigen sich davon die Edelstahlwerke wenig beeindruckt. Für Juli wurde bereits weniger Bedarf an Edelstahlschrott gemeldet und die Nickel-Inhaltspreise wurden wieder um ein paar Prozent nach unten gesetzt. Auch der Festpreis für Ferrochrom reduziert sich um rund 30,00 Euro pro Tonne. Bei aktuell fallenden Stahlschrottpreisen reduziert sich der Grundpreis ebenfalls. Für Juli sehen wir jedenfalls keine wesentlichen positiven Veränderungen.

Aluminium

Aluminium

Nach wie vor bestimmt ein großes Angebot an Aluminium den Markt sowohl bei Blöcken als auch bei Primäraluminium. So hat China für Mai mit 2,98 Millionen Tonnen Aluminium die zweithöchste Monatsproduktion aller Zeiten erreicht. (NE-Metalle Monitor Nr. 13) Die sich abschwächende Nachfrage aus der Automobilbranche belastet die Blockpreise und wirkt sich stark auf den Aluminium-Sekundärmarkt aus. Die Preise für Aluminiumschrotte haben sich noch einmal reduziert. Noch scheint der Boden nicht erreicht. Da im Monat August die meisten Sekundärwerke in Italien geschlossen sind, wird sich ein Überhang an Sekundärschrotten besonders an Aluminiumspänen aufbauen, was sich durchaus negativ auf die Preise auswirken kann.

Kupfer

Buntmetalle

Die Schwankungen an der LME für börsennotierte Metalle gehen einher mit den Handelsstreitigkeiten der USA gegen den Rest der Welt. Demzufolge hat auch der Kupferkurs schwer gelitten und ist unter 5.800 US Dollar pro Tonne gefallen. Er markiert damit ein neues Fünfmonatstief. Auch in den letzten zwei Wochen hat sich an dieser Situation nichts geändert. Auf dem deutschen Kupfermarkt macht sich zunehmend die Abschwächung der Konjunktur bemerkbar. Die Abschläge der Hütten auf die LME Notierung haben sich leicht erhöht. Am Markt herrscht ein Überhang an guten Kupferschrottqualitäten. Bedingt durch den Importstopp an Kupferkabeln durch China verbleibt ein hoher Anteil an Kupferkabeln in Europa und wird granuliert. Langfristig sehen Analysten weltweit eine steigende Nachfrage durch die angestrebte Energiewende, der Trend zur E-Mobilität und vermehrtem Elektronikeinsatz im PKW. Für das dritte Quartal wird ein Preisniveau von 6.200 US Dollar erwartet. Die Hoffnung, wie gesagt, stirbt zuletzt.