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Fortsetzung der stabilen Marktlage
Der deutsche Stahlschrottmarkt präsentierte sich im Mai 2026 in fester Verfassung. Die Preise stiegen je nach Region, Werk und Sorte um rund 10 bis 15 EUR pro Tonne. Insbesondere die Sorten Scherenschrott E1, E3 sowie E8-Neuschrotte verzeichneten dabei eine stabile bis leicht festere Nachfrage.
Ausschlaggebend für diese Entwicklung war vor allem das weiterhin knappe Angebot. Saisonale Effekte spielten eine zentrale Rolle: Feiertage und Brückentage führten in vielen Regionen zu einem deutlich reduzierten Neuschrottanfall. Gleichzeitig belastete die schwache Industriekonjunktur die Produktionsaktivität – insbesondere in der Automobilindustrie, die traditionell ein wichtiger Lieferant für hochwertige Neuschrotte ist. Entsprechend blieb das Aufkommen in diesem Segment spürbar hinter den Erwartungen zurück.
Auch die logistischen Rahmenbedingungen blieben angespannt. Eingeschränkte Bahnkapazitäten, begrenzter LKW-Frachtraum sowie weiterhin hohe Transportkosten erschwerten die Versorgung der Werke. In Süd- und Westdeutschland wirkten sich zusätzlich Niedrigwasserzuschläge auf den Binnenschiffsverkehr aus, was die Beschaffungskosten weiter erhöhte und regional zu Versorgungsengpässen beitrug.
Auf der Nachfrageseite zeigte sich ein insgesamt solides Bild. Viele Elektrostahlwerke fuhren stabile Programme und sicherten sich frühzeitig Material, um Versorgungsrisiken zu vermeiden. Die integrierten Hüttenwerke agierten dagegen teilweise vorsichtiger, was die schwächere Stahlkonjunktur widerspiegelt.
Internationale Impulse blieben im Mai vergleichsweise stabil. Die türkischen Importpreise für Tiefseeschrott bewegten sich seitwärts mit leichter Aufwärtstendenz und lagen zuletzt im Bereich von etwa 370–380 USD/t (HMS 1/2 80:20, CFR Türkei). Diese Entwicklung unterstützte das Preisniveau in Europa, ohne jedoch zusätzliche Dynamik auszulösen. Der Exportmarkt blieb insgesamt ein stabilisierender Faktor, jedoch ohne starke Sogwirkung.
Metalle
Die Stimmung an den internationalen Industriemetallmärkten präsentiert sich weiterhin robust, trotz erneut deutlich gestiegener Energiepreise. Der Index der London Metal Exchange (LME) erreichte im Verlauf des Monats ein neues Rekordhoch.
Gleichzeitig rückt mit dem Monat Mai ein bekanntes Börsianer-Sprichwort in den Fokus der Marktteilnehmer: „Sell in May and go away“. Vor dem Hintergrund der aktuellen Höchststände könnte dieses saisonale Sprichwort verstärkt als Impuls für Gewinnmitnahmen und den Abbau von Lagerbeständen dienen.

Nickel
Die anhaltenden geopolitischen Spannungen und insbesondere die Einschränkungen im Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus führen derzeit zu spürbaren Verwerfungen auf den internationalen Rohstoffmärkten. Infolgedessen gelangen deutlich geringere Mengen an strategisch wichtigen Rohstoffen auf den Weltmarkt, was zunehmend kritische Auswirkungen auf globale Lieferketten hat.
Hiervon ist auch die Edelstahlindustrie in erheblichem Maße betroffen. Nickel als zentraler Legierungsbestandteil vieler Edelstähle kann in zahlreichen Produktionsverfahren nicht unmittelbar aus dem Erz gewonnen werden, sondern erfordert den Einsatz großer Mengen Schwefelsäure. Die eingeschränkte Verfügbarkeit verstärkt daher den Druck auf die Primärversorgung.
Vor diesem Hintergrund gewinnt Edelstahlschrott weiter an strategischer Bedeutung. Als sekundärer Rohstoff stellt er eine vergleichsweise unabhängige und kurzfristig verfügbare Alternative dar, die die Versorgungssicherheit der Werke stabilisieren kann.
Im Mai zeigte sich eine insgesamt robuste Nachfrage der Edelstahlwerke nach Edelstahlschrotten. (Quelle: Oryx Rohstoff News 15.05.2026)
Gestiegene Nickelnotierungen sowie ein höherer Fe-Grundpreis führten zu einem spürbaren Anstieg der Schrottpreise.
Gleichzeitig ist das Aufkommen an Edelstahlschrotten aufgrund der weiterhin schwachen konjunkturellen Lage begrenzt. Produktionsrückgänge in der verarbeitenden Industrie sowie eine insgesamt verhaltene wirtschaftliche Dynamik reduzierten das verfügbare Materialangebot.
Für die kommenden Wochen ist vor diesem Hintergrund von einer stabilen Preisentwicklung auszugehen. Selbst bei einer möglichen Abschwächung der Nachfrage seitens der Werke dürfte das begrenzte Angebot preisstabilisierend wirken.

Aluminium
Am Aluminiummarkt dürfte sich die Aufmerksamkeit zunehmend auf die Lagerbestände richten. Eine höhere Produktion aus China dürfte zwar Entlastung für die Angebotsausfälle aus der Golfregion bringen, allerdings dürfte angesichts einer bislang robusten Nachfrage – nicht zuletzt aufgrund einer resilienten chinesischen Industrie – weiterhin eine beträchtliche Angebotslücke klaffen. Ein großer Rohstoffhändler mit Sitz in der Schweiz warnt davor, dass die Bestände am Aluminiummarkt bis Ende des Jahres auf ein „hauchdünnes“ Niveau fallen könnten. Das Unternehmen rechnet zudem mit einem Angebotsdefizit in Höhe von 2 Mio. Tonnen in diesem Jahr. Würde dies in der Tat eintreten, wären sogar Versorgungsengpässe nicht auszuschließen, die wiederum deutliche Preisausschläge mit sich bringen würden. Bislang ist festzustellen, dass sich der Lagerabbau an der LME seit Ausbruch des Krieges jedoch nicht beschleunigt hat. (Quelle: Commerzbank Research 15.05.2026)
Seit Beginn des Irankonflikts stieg der Preis für Primäraluminium um 17,3 Prozent. Auch im Sekundärbereich bleibt die Lage angespannt. Das Angebot an Aluminiumschrott ist derzeit deutlich geringer als die Nachfrage. (Quelle: IKB Rohstoff Preis-Information April 2026)

Buntmetalle
Der Kupferpreis zeigte sich in den vergangenen Wochen weiterhin ausgesprochen fest und erreichte zwischenzeitlich neue Hochstände von über 14.000 USD je Tonne. Zwar konnte dieses Niveau bislang nicht nachhaltig behauptet werden, die mittelfristigen Aussichten bleiben jedoch weiterhin gut. (Quelle: Kettner-Edelmetalle)
Unterstützung erhält der Markt vor allem durch die Angebotsseite. Aus Chile, dem weltweit wichtigsten Kupferproduzenten, mehren sich Hinweise auf rückläufige Fördermengen im Jahr 2026, unter anderem infolge sinkender Erzgehalte und notwendiger Wartungsarbeiten. Diese Entwicklung dürfte das globale Angebot begrenzen und damit preisstabilisierend bis preistreibend wirken.
Die Versorgung der Kupferhütten ist aktuell noch als gut einzustufen. Entsprechend bewegten sich die Hüttenabschläge zuletzt nahezu auf dem Vormonatsniveau, während die Nachfrage in einzelnen Marktsegmenten etwas nachgab. Kurzfristig sorgt dies zwar für eine gewisse Beruhigung am Markt, ändert jedoch wenig am grundsätzlich festen Gesamtbild.
Auf der Nachfrageseite bleiben die strukturellen Treiber intakt. Der weltweite Ausbau der Stromnetze, die fortschreitende Elektrifizierung sowie Investitionen in digitale Infrastruktur erhöhen den Kupferbedarf nachhaltig. Kupfer bleibt damit ein zentraler Werkstoff der Energie- und Industriestruktur der kommenden Jahre.
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